Bei einem Porträt kann ein unscharfer Hintergrund helfen, bei einem Gruppenfoto kann dieselbe Einstellung die hintere Reihe unbrauchbar machen. Die Blende beeinflusst die Schärfentiefe: den Entfernungsbereich, den wir im fertigen Bild als ausreichend scharf wahrnehmen. Dieser Bereich hat keine harte Grenze. Schärfe nimmt vor und hinter der fokussierten Ebene allmählich ab, und die sichtbare Wirkung hängt auch von Ausgabegröße und Betrachtungsabstand ab.

Kleine Zahl, große Öffnung

Eine Einstellung wie f/2,8 bezeichnet eine größere Öffnung als f/8. Bei unveränderter Brennweite, Entfernung und Fokussierung ergibt die größere Öffnung weniger Schärfentiefe. Sie lässt zugleich mehr Licht durch. Wechselst du von f/4 auf f/5,6, gelangt ungefähr halb so viel Licht pro Zeiteinheit zum Sensor. Für ähnliche Helligkeit braucht es entsprechend mehr Belichtungszeit oder einen höheren ISO-Wert.

In der Blendenvorwahl A oder Av wählst du die Blende, während die Kamera die Zeit anpasst. Achte deshalb auf die Zeitanzeige: Mehr Schärfentiefe kann durch eine zu lange Belichtung mit Bewegungsunschärfe erkauft werden. Bei einem Menschen, der sich leicht bewegt, ist das ein anderer Fehler als ein unscharfer Hintergrund.

Abstand ist ein zweiter Regler

Bei Nahaufnahmen schrumpft der scharf wirkende Bereich stark. Eine Blende, die bei einem entfernten Gebäude ausreichend erscheint, kann bei einer Blüte nur eine schmale Scheibe erfassen. Richte wichtige Motivteile möglichst ähnlich weit von der Kamera entfernt aus. Bei einer Reihe kleiner Produkte kann eine seitlich versetzte Kamera unnötig große Entfernungsunterschiede verursachen.

Für einen weichen Hintergrund hilft außerdem Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Eine Person direkt vor einer Wand bleibt auch bei offener Blende oft mit gut erkennbarer Wandstruktur verbunden. Stelle sie, wenn die Situation es erlaubt, weiter von der Wand weg. So veränderst du die Bildwirkung, ohne sofort ein anderes Objektiv zu benötigen.

Zwei Tassen als kontrollierter Vergleich

Stelle zwei Tassen leicht versetzt auf einen Tisch und fokussiere auf die vordere Beschriftung. Fotografiere zuerst mit offener, danach mit kleinerer Blende, ohne Kamera oder Tassen zu bewegen. Die hintere Beschriftung wird bei der kleineren Öffnung meist klarer. Weil weniger Licht durch die Öffnung gelangt, muss die Kamera für ähnliche Helligkeit die Zeit verlängern oder ISO erhöhen. Auf einem Stativ mit stillstehenden Tassen ist eine längere Zeit oft unproblematisch; bei Menschen wäre dieselbe Entscheidung anders zu bewerten.

Mache anschließend beide Aufnahmen aus einer näheren Position. Der größere Abbildungsmaßstab erschwert es, beide Tassen scharf zu halten. Damit zeigt der Vergleich, warum eine Blendenzahl allein keine vollständige Aussage über Schärfentiefe erlaubt. Übertrage das auf ein Gesicht: Eine nahe Aufnahme bei f/4 kann weniger Tiefe zeigen als eine weiter entfernte Ganzkörperaufnahme bei derselben Blende.

Wenn nur die hintere Tasse wichtig ist, ändere den Fokus statt reflexartig weiter abzublenden. Wenn beide gleich wichtig sind, kannst du sie näher an dieselbe Entfernung stellen. Die Anordnung ist häufig ein wirksamerer Hebel als eine extrem kleine Öffnung mit ihren Nachteilen bei Zeit und feinen Details.

Die benötigte Schärfe prüfen

Fotografiere dasselbe Motiv beispielsweise bei f/2,8, f/5,6 und f/11, ohne Fokuspunkt oder Standort zu ändern. Vergleiche das wichtigste Detail und die vordersten sowie hintersten Motivteile. Wähle anschließend die Einstellung, die genügend Schärfentiefe liefert, statt grundsätzlich die kleinste Öffnung zu verwenden. Sehr starkes Abblenden kann feine Details durch Beugung weicher machen. Bei Gruppen ist eine sorgfältige Anordnung in wenigen Tiefenebenen oft wirksamer als extremes Abblenden.

Quellen & weiterführende Informationen