Nach einer Aufnahme ist die Speicherkarte oft zunächst der einzige Ort mit allen Originalen. Der Import sollte deshalb nicht mit dem Erscheinen einiger Vorschaubilder als abgeschlossen gelten. Eine kurze, wiederholbare Kontrolle zeigt, ob die gewünschte Serie vollständig am richtigen Ort angekommen ist und ob die Karte bereits wiederverwendet werden kann.
Vor dem Kopieren den Umfang klären
Prüfe, welche Ordner und Dateitypen auf der Karte liegen. Manche Kameras legen nach einer bestimmten Bildanzahl einen weiteren Ordner an. Neben Fotos können Videos oder zusätzliche Dateien vorhanden sein. Wer nur die zuerst sichtbaren JPEGs auswählt, übersieht möglicherweise RAW-Dateien oder einen späteren Teil der Aufnahme.
Wähle einen eindeutigen Zielordner und kontrolliere den tatsächlich angezeigten Pfad. Ein ähnlich benannter Ordner auf einem anderen Laufwerk ist eine häufige Quelle späterer Verwirrung. Achte darauf, dass ausreichend freier Speicher vorhanden ist und die Verbindung zum Kartenleser während des Kopierens stabil bleibt.
Wenn die Anwendung eine Auswahl nach Datum oder bereits importierten Bildern anbietet, prüfe den Filter. Eine leere Auswahl kann bedeuten, dass Bilder ausgeblendet werden; sie beweist nicht, dass die Karte leer ist.
Dateien zählen, ohne Äpfel mit Birnen zu vergleichen
Vergleiche die Zahl der übernommenen Dateien mit der ausgewählten Quelle. Bei RAW-plus-JPEG-Aufnahmen können zwei Dateien eine Aufnahme darstellen, während die Fotoverwaltung nur ein gemeinsames Vorschaubild zeigt. Ein Unterschied zwischen Dateizahl und sichtbarer Bildzahl ist deshalb zunächst ein Hinweis, der erklärt werden muss.
Eine Dublettenerkennung kann bereits bekannte Aufnahmen auslassen. Lightroom Classic berücksichtigt dafür unter anderem ursprünglichen Dateinamen, EXIF-Aufnahmezeit und Dateigröße. Diese Erkennung ist eine Importhilfe und kein allgemeiner Beweis, dass zwei visuell ähnliche Bilder inhaltlich identisch sind.
Wenn dein Kopierwerkzeug eine Verifikation anbietet, nutze sie für den Vergleich von Quelle und Ziel. Ein Hashvergleich unveränderter Dateien prüft ihre Bytes genauer als der Blick auf Namen und Größen. Eine spätere automatische Metadatenänderung kann allerdings einen neuen Hash erzeugen, obwohl das Bild weiterhin lesbar ist.
Die Originale tatsächlich öffnen
Öffne Bilder vom Anfang, aus der Mitte und vom Ende der Serie. Betrachte mindestens einige davon in voller Auflösung. Eine eingebettete Vorschau kann angezeigt werden, obwohl der vollständige RAW-Inhalt nicht wie erwartet verarbeitet werden kann. Prüfe bei neuen Kameras außerdem, ob die eingesetzte Software das konkrete RAW-Format unterstützt.
Ein einzelnes beschädigtes Bild ist ein Anlass, die Ursache zu untersuchen, nicht sofort die Karte zu formatieren. Belasse die Quelle unverändert und versuche zunächst einen erneuten Lesevorgang mit einer stabilen Verbindung. Wiederholte Fehler können auf Karte, Leser, Kabel oder Zielmedium hinweisen.
Erst nach der Sicherung freigeben
Erstelle eine zweite unabhängige Kopie der importierten Originale und kontrolliere, dass der neue Aufnahmeordner darin enthalten ist. Danach kannst du die Karte entsprechend deinem üblichen Kameraworkflow wiederverwenden. Markiere noch nicht gesicherte Karten erkennbar, damit sie nicht versehentlich in die nächste Aufnahmerunde geraten.
Eine kurze Notiz zum Importstatus genügt: Quelle kopiert, Stichprobe geöffnet, zweite Kopie geprüft. Diese wenigen Schritte sind leichter zuverlässig durchzuführen als eine lange Liste, die im Alltag übersprungen wird.
Mehr als JPEGs auf derselben Karte
Eine Aufnahmeserie kann neben JPEGs auch RAW-Dateien, kurze Videos oder weitere Begleitdateien enthalten. Prüfe die Ordner auf der Karte deshalb nach Dateitypen, bevor du einen Import als vollständig abhakst. Ein auf Fotos begrenzter Importdialog kann Videos ausblenden, obwohl sie zum selben Ausflug gehören. Die Anzahl sichtbarer Miniaturen ist dann kein vollständiges Inventar.
Bei RAW-plus-JPEG-Aufnahmen können zwei Dateien im Programm als eine gemeinsame Aufnahme erscheinen. Vergleiche nicht blind die Zahl der Katalogeinträge mit der Zahl aller Dateien. Lege zuerst fest, ob dein Arbeitsablauf beide Fassungen behalten soll, und kontrolliere anschließend die tatsächlich gespeicherten Dateien. Die RAW-Datei ist nicht durch ein ähnlich benanntes JPEG ersetzt.
Wenn der Import unterbrochen wurde, notiere den betroffenen Zeitraum oder Ordner. Ein erneuter Import kann vorhandene Bilder erkennen, muss aber nicht jede besondere Ordnerkonstellation richtig behandeln. Prüfe den Anfang und das Ende der Serie sowie einige Dateien an der Unterbrechungsstelle. Bei einer Fehlermeldung bewahrst du die Karte unverändert auf, bis eine nachvollziehbare Kopie und eine unabhängige Sicherung existieren.
Für die nächste Verwendung sollte klar sein, ob eine Karte noch ungeprüfte Daten enthält. Eine einfache Kennzeichnung „noch nicht gesichert“ verhindert eher ein versehentliches Überschreiben als die Erinnerung daran, wann sie zuletzt in der Kamera steckte. Erst nach der Kontrolle gehört sie wieder in den normalen Aufnahmekreislauf.
