Softproofing zeigt am Bildschirm eine Annäherung an eine bestimmte Druckausgabe. Es kann auf Farben hinweisen, die das gewählte Papier mit dem vorgesehenen Druckverfahren nicht wiedergeben kann. Die Vorschau ist jedoch kein Blick auf einen bereits existierenden Abzug. Sie hängt vom Profil, den Einstellungen, dem Monitor und der Betrachtungsumgebung ab.
Das richtige Ausgabeprofil besorgen
Verwende das Profil für die konkrete Kombination aus Druckverfahren und Papier beziehungsweise dem ausdrücklich beschriebenen Laborprodukt. Ein Profil für glänzendes Papier ist nicht automatisch für eine matte Variante geeignet. Lies die Hinweise des Dienstes: Manche Profile dienen nur der Vorschau und sollen nicht in die Lieferdatei konvertiert werden.
Aktiviere die Drucksimulation in einer farbverwalteten Anwendung und wähle dieses Profil. Kontrolliere, ob Papierweiß und Schwarzwiedergabe simuliert werden sollen. Diese Optionen können die Vorschau zunächst flau wirken lassen, weil sie den begrenzteren Kontrast des Papiers darstellen.
Wenn der Dienst mehrere ähnlich benannte Profile anbietet, kontrolliere Produktname, Oberfläche und den vorgesehenen Zweck. Ein veraltetes Profil für ein nicht mehr verwendetes Material kann eine überzeugende, aber falsche Vorschau liefern. Speichere die zugehörige Anleitung mit dem Projekt, damit später nachvollziehbar bleibt, worauf die Druckfassung abgestimmt wurde.
Die Warnung als Hinweis verstehen
Eine Farbumfangswarnung markiert problematische Farben, sagt aber nicht allein, wie störend deren Anpassung aussehen wird. Prüfe das Motiv ohne Warnüberlagerung. Wichtig sind beispielsweise Abstufungen in einer roten Blüte oder Details in einer dunklen Jacke. Ein kleiner nicht exakt reproduzierbarer Farbfleck kann unwichtig sein.
Vergleiche gegebenenfalls unterschiedliche Rendering-Absichten, sofern der Workflow dies erlaubt. Ihre Wirkung hängt vom Profil und Bild ab. Übernimm keine pauschale Regel, wonach eine Einstellung jedes Motiv besser behandelt. Beurteile die sichtbaren Beziehungen zwischen benachbarten Farben und Tonwerten.
Eine eigene Druckfassung anlegen
Wenn Anpassungen nötig sind, erstelle eine Variante für dieses Papier. Hebe etwa wichtige dunkle Details behutsam an oder reduziere eine problematische Farbsättigung lokal. Verändere nicht unbemerkt die allgemeine Masterfassung, die später noch für eine andere Ausgabe gebraucht wird.
Bezeichne die Variante mit Papier oder Produkt und kontrolliere den Export nach den Laborvorgaben. Ein eingeschalteter Softproof verändert die Ansicht, bedeutet aber nicht automatisch, dass die Datei bereits passend konvertiert wurde. Vorschau und Dateiausgabe sind getrennte Schritte.
Eine rote Blüte als Prüfbeispiel
Stelle dir eine Aufnahme mit kräftigen roten Blütenblättern und dunklem grünem Laub vor. In der normalen Bildschirmansicht sind feine Unterschiede im Rot sichtbar. Im Softproof verschmelzen mehrere Blätter zu einer gleichmäßigen Fläche. Mehr globale Sättigung würde dieses Problem eher verstärken. Prüfe stattdessen, ob eine kleine lokale Verringerung der Sättigung oder eine leichte Trennung der Helligkeitswerte die Blattform wieder erkennbar macht.
Lege dafür eine Druckvariante an und verändere nur die betroffenen Blüten. Vergleiche bei eingeschalteter Simulation mit der unveränderten Fassung. Das Ziel ist nicht, jede Farbumfangswarnung verschwinden zu lassen, sondern die wichtige Struktur auf dem gewählten Papier verständlich zu erhalten. Die grünen Blätter und ein neutraler Hintergrund sollten durch diese Korrektur nicht unbeabsichtigt ihren Charakter wechseln.
Wähle für den Testdruck einen Ausschnitt, der Blüte, dunkles Laub und eine neutrale Fläche gemeinsam enthält. Ein isolierter roter Fleck zeigt weniger über die Gesamtwirkung. Notiere das verwendete Profil und die Korrektur, damit du eine zweite Probe unter gleichen Bedingungen erzeugen kannst.
Mit echtem Papier abschließen
Bei einem wichtigen großen Druck bestelle zunächst einen kleinen Test oder einen Ausschnitt im endgültigen Maßstab. Betrachte ihn unter dem vorgesehenen Licht. Glanz, Oberflächenstruktur und Reflexionen lassen sich am Monitor nur begrenzt vorhersagen.
Wenn Test und Vorschau stark abweichen, prüfe zuerst Profil, automatische Laborkorrekturen, Bildschirmhelligkeit und Betrachtungslicht. Ändere nicht mehrere Dinge gleichzeitig. Eine dokumentierte kleine Änderung mit erneutem Vergleich bringt mehr als eine Reihe ungeplanter Gegenkorrekturen.
